Dienstag, 21. November 2017

Game Review: The Witcher

Genre: RPG
Publisher: Atari
Developer: CD Projekt Red
USK: Freigegeben ab 18 Jahren
Release: 23. Oktober 2007
Spielzeit: 35 - 40 Stunden

Unser Hexer Geralt von Riva hat sein Gedächtnis verloren und kann sich nicht mehr an die Ereignisse aus den Büchern erinnern. Noch während er sich von seinem Gedächtnisverlust erholt, wird Kaer Morhen von den Salamandra angegriffen und wichtige Hexergeheimnisse werden geraubt. Geralt muss sich nun auf die Suche begeben, um die ganze Situation aufklären zu können, die Geheimnisse wiederzuerlangen und eventuell sich wieder zu erinnern...

Schon mehrere Male fing ich den ersten Teil der The Witcher Serie an, aber beendete ihn erst letztes Jahr zum ersten Mal. Nicht, dass dieser Teil schlecht wäre, doch beinhaltet er einige Schwächen, die dem Spieler das Voranschreiten ganz schon erschwert.

Für Fans der Bücher wird es viele Anspielungen geben, die allerdings denen, die die Bücher niemals in der Hand hielten, den Spielspaß nicht vermiesen werden. So trifft man bekannte Charaktere aus den Büchern zwar wieder, deren Wiedererkennungswert relativ hoch ist, aber dank Geralts Gedächtnisverlusts lernt man sie nochmal von Neuem kennen. Clever gelöst - den so wird die gewaltige Hintergrundgeschichte zwar immer wieder angerissen, aber es ist nicht nötig diese nachzulesen, obwohl man schon eine riesige Lust bekommt weiter in die Welt des Hexers abzutauchen.

Erzählweise und Geschichte sind manchmal etwas zähflüssig, aber niemals vorhersehbar. Ständig kann die Richtung sich ändern. Jemand Vertrautes zieht einen über den Tisch, während man völlig Fremden Vertrauen schenken kann. Die Sympathie zu Personen und Fraktionen, die z.B. der Orden der Flammenrose wird durch die Entscheidungen im Spiel beeinflusst. Politisch mit einiger Kritik gestaltet sich der Konflikt zwischen Menschen und Anderlingen, der auch in unser heutigen Gesellschaft durchaus seine Parallelen zu haben scheint.

Atmosphärisch dicht in seiner Welt erschließen sich bereits die ersten Fachbegriffe, die es nur in diesem Franchise zu geben scheint. So lernen wir die Hexerzeichen, eine Form der schwachen Magie, die uns im Kampf helfen oder brauen die ersten Tränke, wie Schwalbe und Katze. Der Kampfstil, der eher an einen Tanz erinnert anstatt an kaltblütiges Abschlachten, ist wundervoll. Bei einer Gruppe von Gegner sollte man in den Gruppenkampfmodus wechseln, während man starke Gegner mit einem anderen Modus ans Leder gehen kann. In einem Skilltree kann man sich weitere Fähigkeiten mit der Zeit und dem Levelanstieg freischalten.

In mehrere Abschnitte wird das Spiel unterteilt, welches uns alte Bereiche versperrt und neue zugänglich macht. So versuchen wir im ersten Teil in die Stadt Wyzima zu gelangen, während wir im zweiten Teil nicht mehr die Umgebung, sondern das Armenviertel der Stadt erkunden können. Aber noch andere Bereiche erschließen sich dem Hexer, wie z.B. der Sumpf oder das Reichenviertel, welches schon ansprechender wirkt. Einige Dungeons bzw. Grüfte gibt es zu erkunden, in denen es nur von Ghulen oder anderen Monstern wimmelt. Leider findet man wenig Rüstungen, um sich vor den Angreifern besser zu schützen.

Nebenquest gibt es ebenfalls schon, allerdings nicht in der Qualität, die sich in Teil 3 offenbarte. So muss ein Garten von Monstern bzw. Unkraut gesäubert werden oder den Wodjanoi ein kleines Opfer dargebracht werden. Bei einigen Quests gab es hartnäckige Bugs, die man zum Glück einigermaßen weggepatcht hat, aber viele Aufträge konnte man sich immer noch verbauen, wenn man eine falsche Reihenfolge eingehalten hat. Deswegen lag der Enhanced Edition ein Guide bei, der den bestmöglichsten Abschluss der Quest gewährleistete, wenn man ihm folgte. Natürlich muss man bestimmte Dinge von einem Ort zum anderen bringen und sich als Bote des ganzen Landes etablieren, wie es in Rollenspielen eigentlich immer der Fall ist. Da fällt aber einem der negativste Punkt im Spiel auf…

Die Laufwege sind unglaublich lang und unglaublich eintönig. Immer wieder die gleichen Wege mit ein paar Monstern ablaufen in einer leider etwas kargen Welt, mindert den Spielspaß gewaltig und war für mich auch der Grund das Spiel über viermal wieder zur Seite zu legen. Langeweile stellte sich bei mir bereits im Anfangsgebiet ein, über das ich lange nicht hinauskam. Aber das Durchhalten lohnt sich. Bis es dann in den Sumpf geht, dessen Laufwege noch länger und eintöniger sind. Dann doch lieber den Teil mit der Umgebung rund um das Dorf Trübwasser genießen, welcher vor allem Nachts wunderschöne Lichtspiele zu bieten hat.

Grafisch ist das Spiel in Ordnung - es hat halt schon ein paar Jahre auf dem Buckel, man kann es sich aber trotzdem noch ganz gut anschauen. Das Charakterdesign wiederum ist genauso wie die Laufwege eine Katastrophe - alle Charaktere außer die wirklich wichtigen wie Rittersporn oder Triss sind via Copy & Paste ins Spiel eingefügt worden. Für den Charakterentwurf einer älteren Dame wurde nur ein Modell eingefügt, sodass man diese überall antreffen kann. Da musste wohl gespart werden.

Ladescreens und kurze Cutszenes zwischen den Abschnitten sind gemalt und erläutern einen die weitere Geschichte. Wunderschöner Stil, welcher an alte Gemälde erinnert und sich wunderbar ins Gesamtbild einfindet. Zugegeben die Schneelandschaft am Ende ist keine Augenweide, aber der emotionale Aufbau macht jenes wieder ein bisschen gut.

Soundtrack und Synchronisation der Charaktere ist dann aber wieder spitze. Schöne tiefgründige Fantasy-Klänge unterstreichen die Atmosphäre und lassen einen besser in die Welt eintauchen. So gut, dass einige Stücke es in meine Playlist geschafft haben. Persönlich bin ich auch ein Fan des Minispiels Würfelpoker, welches leicht zu verstehen und so für jeden zugänglich ist.

Eine kleine Diskussion entbrannte, als festgestellt wurde, dass man als Geralt mit diversen Damen den Beischlaf durchführen konnte und somit eine Karte der entsprechenden Dame bekam. Ob diese Sammelleidenschaft des Hexers nun moralisch fragwürdig ist, muss jeder Spieler für sich selbst entscheiden. Ich finde die meisten Darstellungen von Nacktheit bei Frauen in diesem Spiel jedoch Geschmackvoll und ästhetisch, da meist alles Wichtige verhüllt ist.

Fazit

Ein atmosphärisches Spiel, welches leider durch seine langen Laufwege und wenigen Charaktermodellen an Qualität einbüßt, aber mit einem guten Soundtrack. Immer wieder interessant zu wissen, dass dies der Grundstein zum Witcher-Spiel-Franchise begründete.