Mittwoch, 24. Februar 2016

Game Review: Catherine

Genre: Action-Adventure
Publisher: Deep Silver
Developer: Atlus Software
USK: Freigegeben ab 16 Jahren
Release: 10. Februar 2012
Spielzeit: 10 - 20 Stunden

Schon mal einen ganz schrecklichen Alptraum gehabt?
Wollen wir wetten, dass die Alpträume von Vincent Brooks mindestens genauso schlimm, wenn nicht sogar noch gruseliger sind? In dem Action-Adventure Catherine ist alles ein wenig anders. Denn eigentlich ist Vincent, unser Protagonist, ganz zufrieden mit seiner Beziehung zu seiner Freundin Katherine. Oder doch nicht? Als er schließlich eines Nachts in seiner Stammkneipe "Stray Sheep" Catherine kennenlernt und nächsten morgen neben ihr aufwacht. Zu dem schlechten Gewissen wegen des Seitensprungs, quälen Vincent skurrile Alpträume. Gibt es überhaupt ein Richtig und ein Falsch? Und was hat das alles mit Schafen zu tun?

Mutig - das war das Wort, welches mir in den Kopf schoss, als ich das Spiel in der Hand hielt. Wenn ich nicht gewusst hätte, um was für ein Game es sich handelt, wäre ich davon ausgegangen irgendein versautes Trashgame in der Hand zu haben. Bei der leicht bekleideten Dame auf dem Cover auch kein Wunder. Leider erwarten uns in der "Stray Sheep Special Edition" (Love is Over Deluxe Edition - US Import), die exklusiv für die PS3 erscheint keine reizenden Damenslips. Hätte mich allerdings nicht gewundert. Die erste Beigabe, die einem in die Hände fällt, ist ein Artbook mit dem dazugehörenden Soundtrack zum Spiel, der allerdings nicht alle 34 Titel umfasst, sondern nur eine Auswahl von 11 Musikstücken. Als schöner Blickfang entpuppt sich die mittelgroße Box, in der sich das Spiel befindet. In dem Pizzakarton, welcher selbstverständlich original aus Vincent's Lieblingspub dem Stray Sheep stammt, finden sich noch zwei Papp-Bierdeckel (ebenfalls aus dem Stray Sheep), ein Poster und Vincent war anscheinend so lieb und hat sein rosa Shirt reingelegt. Sehr schlau, so muss er es wenigstens nicht mehr waschen.

Im Stray Sheep
Herunterfallende Schafe, leichtbekleidete Mädchen und ein mit Stacheldraht gefesselter, halb nackter Vincent erwarten uns im Menübildschirm. Alle Einstellungen checken und dann kann es auch schon losgehen. Es ist ein kleiner Vorspann zu sehen, der uns zum Golden Playhouse und zu einer reizenden Dame namens Trisha führt, die uns über ein Gerücht aufklärt, welches besagt, dass wenn man im Traum stirbt, dieses auch in Wirklichkeit passiert. Zudem läuft heute eine ganz besondere Show. Eine romantische Horrorstory. Dazu sagen wir doch nicht nein. Kaum sitzt man als Vincent mit Katherine im Café, kommt ein Intro, welches mit japanischem Rap hinterlegt ist. Keine Minute später befinden wir uns auch schon mit Vincent in einem Alptraum. Nur mit Boxershorts und Kissen ausgerüstet, müssen wir einen Turm erklimmen. Aha, das Tutorial. Dieses durchlebt, werden wir unsanft von einem Wecker in unsere Wohnung zurückgeholt. Eine Cutszene folgt der Nächsten, wir lernen Vincent, Katherine und Vincent's Freunde aus der Bar kennen. So richtig reingekommen in das Spiel ist nach einer halben Stunde vielleicht auch zu viel verlangt. Viele Fragezeichen über dem Kopf wird weitergespielt, mal schauen wo das hinführt… Klettern - das Hauptelement im Spiel. In Alpträumen erklettern wir Türme in dem wir verschiedene Blöcke verschieben. Zwischen den Türmen sind Stationen, auf denen wir mit Schafen, die offensichtlich auch klettern, reden können. Von da aus geht es in den Beichtstuhl. Eine moralische Frage beantworten und welches noch viel spannender ist, die Antworten von anderen Spielern ansehen. Weiter geht es mit dem Klettern. Manchmal sogar mit einem Endboss, der viele skurrile Gestalten darstellen kann. Im Anime-Stil folgen Cutszenes und immer wieder findet man sich in der Bar Stray Sheep wieder. In der Bar können wir uns frei bewegen, mit unseren Freunden sprechen (oder mit anderen Gästen), auf die Toilette gehen, Nachrichten auf dem Handy schreiben, mit der Jukebox oder dem Automaten herumspielen und uns so richtig dicht saufen. Nein, im Ernst, wir können uns richtig betrinken, um im nächsten Alptraum schneller zu laufen.
Die Steuerung ist manchmal etwas schwammig. Im Pub ist das ziemlich egal, aber beim klettern kann das nicht nur Zeit sondern auch Nerven kosten. Nerven ist auch ein sehr gutes Thema, welches mich zum Schwierigkeitsgrad bringt. Dieses Spiel ist schwer - nicht Dark-Souls-Schwer, aber schwer und das schon auf der leichten Einstellung. Das ist laut des Entwicklers genauso geplant gewesen, weil der Spieler dieselbe Anspannung wie der Protagonist erleben soll. Trotzdem wurde der Schwierigkeitsgrad "Sehr leicht" nachgeliefert. Die Ladezeiten können manchmal lang sein, werden aber durch verschiedene Zitate, die auf dem Bildschirm erscheinen aufgepeppt.

Eine Verabredung mit Katherine

Bis jetzt habe ich noch nicht ansatzweise eine solche Geschichte vorgesetzt bekommen. Es treten sehr viele Wendungen auf, die einen komplett verwirrt stehen lassen. Hat man eine Vermutung, wird diese sofort umgeschmissen. Je nachdem wie man sich entscheidet, z.B. im Beichtstuhl oder bei Gesprächen verändert sich das Ende. Dementsprechend ergeben sich mehrere erspielbare Endsequenzen. So spannend ich die Geschichte während des Spielens fand, so enttäuschter war ich vom Ende. Nicht vom Ende direkt; beim ersten Durchspielen habe ich das gute Ende freigeschaltet und war damit zufrieden. Was mich gestört hat, war die Erklärung, warum das alles passiert. Ich glaube ich hatte mir in meinem Kopf eine für mich schlüssiger und bessere Ideen zurecht gelegt. Also kein Wunder, dass ich enttäuscht zurück gelassen wurde. Kaum glaubt man, man hätte einen Charakter durchschaut, kommt die nächste Wendung. Jede einzelne Person hat seine eigene Geschichte, die man sich anhören, aber auch ignorieren kann. Mit der Zeit verändert sich auch die Sichtweise auf die entsprechenden Charaktere. Eine Person, die man am Anfang unsympathisch fand, kann man vielleicht durch die Umstände, die sie geprägt hat, viel besser verstehen. Gefühle wie Mitleid, Wut und Trauer können durch die Charaktere genauso geweckt werden, wie Abscheu und Ekel. Eine Weiterentwicklung lässt sich bei einigen erkennen, vor allem die Freunde von Vincent sind da sehr interessant anzuschauen. Jede Figur handelt für ihre Maßstäbe logisch und authentisch. Spannend sind Katherine (Ja, mit K) und Catherine (Ja, mit C), die anscheinend die kompletten Gegensätze sind, sich aber in manchen Sachen so gleichen. Diese beiden Charaktere haben mich wirklich zur Weißglut getrieben und mich gleichzeitig Beziehungsanalysen zu Vincent anfertigen lassen. Die Charakterentwicklung von Vincent? Ganz einfach, die hat man nämlich selbst in der Hand. Man sollte den Anime/Manga-Stil schon einigermaßen mögen. Ich empfand die Wechsel zwischen den Cutszenes, der Bar und den Kletterpassagen sehr angenehm, da dieser durch verschiedene Stile gut sichtbar wird. Leider sind die Turm-Kletter-Level wenig abwechslungsreich. Ab uns zu eine neue Hintergrundgrafik und ein paar neue Blöcke sind auf Dauer fade. Dafür sind die Endbosse ein wahrlich gut inszenierter Augenschmaus. Der Pub hat eine schöne Aufmachung und die Cutszenes sind denen aus einem Anime ebenbürtig.

Der Sound des Spiels ist absolut durchgedreht - ein ungewohnter Mix, aus Klassik und japanischen Rap. Selbst die klassischen Stücke sind neu aufgelegt worden und zu einem bizarren Kunstwerk vermengt worden, welcher das Spiel wunderbar unterstützt. Im Pub kann die Musik an der Jukebox geändert werden. Dieser Musikkasten beinhaltet sogar einige bekannte Titel aus anderen Spielen und Animes.

Eine deutsche Synchronisation ist nicht vorhanden. Für mich nicht weiter schlimm, da ich kein großer Fan von den meisten Synchronisationen bin. Deutsche Untertitel sind vorhanden, allerdings hat die englische Sprachausgabe ihren ganz eigenen Charme, der natürlich durch die Untertitel leider nicht transportiert werden kann.

Mit anderen Schafen ums Überleben klettern

Erdrückend - unter Zeitdruck, manchmal mit einem Bossgegner oder mit anderen Schafen einen Turm erklimmen, dass kann schon mal stressig werden. Die Musik unterstützt die eh schon düstere, bedrängende Atmosphäre. Während im Pub genau das Gegenteil der Fall ist. Eine relativ entspannte Grundstimmung ist hier zu spüren. Selbst die Musik kann man individualisieren. Natürlich können einen die tiefgründigen Gespräche und die Nachrichten über Todesfälle etwas herunterziehen, aber durch den Stress sowohl beim Klettern, Fragen beantworten und Cutszenes, wirkt das Ganze irgendwie entspannend. Und wenn nicht, dann trinkt man Rum mit Cola.


Ein Multiplayer ist vorhanden, der zwar ganz nett ist, aber mehr auch nicht hergibt. Zu zweit einen Turm hochzuklettern und seinen Freund herunterzuboxen oder von Blöcken vernichten zu lassen, ist nur eine begrenzte Zeit unterhaltsam.


Fazit

Ein abwechslungsreiches, innovatives Spiel mit einer abgedrehten Story, bei der man die moralischen Fäden selbst in der Hand hat. Empfehlenswert für alle, die mal etwas anderes als die ganzen 0815-Titel spielen wollen.



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