Donnerstag, 7. Juli 2016

Movie Review: Stolz & Vorurteil & Zombies

Zombies werden mittlerweile in absolut alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, gesteckt. Einiges ist dabei dann noch zu ertragen, weniges ist tatsächlich gut und das Meiste stellt sich als Katastrophe heraus. Die Romane von Jane Austen wiederum kommen nie aus der Mode. Persönlich zähle ich Jane Austen zu einer meiner Lieblingsautorinnen und kann immer mal wieder ihre Arbeiten lesen und wertschätzen. Stolz und Vorurteil wurde als alter Schinken schon 2005 mit den Schauspielern Keira Knightley und Matthew Macfadyen meiner Meinung nach meisterhaft verfilmt. Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in der Zombie-Apokalypse - klingt erst einmal nicht sehr passend, kann aber durchaus amüsant sein. Doch passt Romantik, Komödie und Horror zusammen? Erwartet den interessierten Zuschauer ein unterhaltsamer Film mit ernstzunehmender Story oder ein Trash-Film, der die Mühe nicht wert ist?

Im 19. Jahrhundert wird England von einer Zombie-Plage heimgesucht. Reiche Familien leisten sich sogar ihre Kinder in China oder Japan diverse Kampfkünste beibringen zu lassen, damit sie sich gegen die Horden wehren können. So auch die Töchter der Familie Bennet, die allesamt erprobt im Kampf sind. Des Weiteren soll aber neben den ganzen Zombies auch noch der richtige Ehemann gefunden werden. Diese Hintergrundgeschichte wird einem gleich am Anfang des Films mit Hilfe eines Pop-Up Buchs erklärt. Wunderschönes Stilmittel, welches mir super gut gefallen hat.

Wichtige Eckpunkte aus der Buchvorlage, also dem originalem Stolz und Vorurteil von Jane Austen werden eingehalten. Ich betone dies, weil es tatsächlich ein Buch zum Film gibt mit dem selbigen Namen, welches ich aber nicht gelesen habe. Zu erwähnen ist auch, dass noch Sinn und Sinnlichkeit und Seemonster als Buch zur Verfügung stehen. Hört sich für mich vielversprechender an. Seth Grahame-Smith, der Verantwortliche für diese beiden Ausuferungen hat bereits die Buchvorlage zu Abraham Lincoln Vampirjäger geschrieben, welches für mich ein guter Film war. Zitate werden manchmal eins zu eins übernommen, oft aber auch grandios verschandelt. Statt wie Keira Knightley geknickt auf der Schaukel zu sitzen schlägt hier Elizabeth mit einer Axt auf einen Baum ein.

Zombies sind in allen Formen und Farben dabei. Von fleischfressenden Monstern, die umher schlurfen oder einen sogar hinterher rennen bis hin zu den vernunftbegabten, kranken Menschen, die versuchen mit ihrer Situation klar zu kommen und sich sogar noch gut artikulieren können. Normale Menschen, Kinder und natürlich auch eine Schwangere. Alles vorhanden.

Besetzungstechnisch mit den Rollen meiner Meinung nach eher farblos. Lily James und Sam Riley als Elizabeth und Darcy waren mir zu aufgesetzt und gesichtslos. Eventuell hat diese Kritik auch mit den gegensätzlichen Themen von Original und Zombie-Szenario zu tun, welche einen starken Kontrast bilden. Die Benachteiligung der Frau und die damit einhergehenden sozialen Gepflogenheiten, die im Buch vorhanden sind, können in einer Zombie-Apokalypse natürlich nicht überleben. Es wird versucht starke Frauen darzustellen, scheitert aber immer wieder daran, weil man sich dann doch versucht in die Thematik des Original hineinzubegeben. So changieren die Damen zwischen dumm/wehrlos und gewalttätigen Kämpferinnen hin und her. Eher unglaubwürdig und gezwungen, als schön.

Zwei bekannte Schauspieler aus Game of Thrones, wobei nur Lena Headey zur Geltung kommt und als Lady Catherine de Bourgh eine ganz andere Seite dieser Person betont und überspitzt. Wunderbar überzogen war auch Matt Smith alias der elfte Doctor aus Doctor Who, in seiner Rolle des egoistischen, ignoranten Mr. Collins.

Slow-Motion wird sehr oft eingesetzt, vielleicht sogar zu oft. Fliegen fangen, Zombies schnetzeln - irgendwann ist die Zeitlupe ausgelutscht und ermüdend für das Auge.

Kostüme sind zwar hübsch anzusehen, aber es fällt schon sehr auf, dass die Hauptcharaktere durch ihr Kleidung besonders in Szene gesetzt werden. Alle Damen der Soirée tragen rosa, weiß oder andere helle Farben, während Elizabeth natürlich ein nachtblaues Kleid zur Schau tragen muss. Gedeckte Farben sind auch besser fürs Zombie bekämpfen - bei den ganzen Blutspritzer… wenn es welche gäbe! Das Blut quillt und spritzt zwar nur so, aber auf den Kleidern landet absolut nichts und sie strahlen porentief rein. Nicht authentisch. Schade, den die Vorrichtungen für Dolche und Schwerter an und unter den Kleider sind schon recht cool.

Wie bewertet man einen solchen Film wenn es an die Sterne, oder in meinem Fall Pixelherzen geht? Als normaler Film würde er nicht mal ein Pixelherz füllen. Betrachtet man ihn allerdings als typischen Trash-Film aller Sharknado, den man eher zum Lachen schaut, ergeben sich schon mehr Freuden und dementsprechend auch Herzen. Ich einige mich mal mit meinem Gewissen auf drei Herzen.

Fazit

Ein vollkommen übertriebener Film, der etwas zuviel gewollt hat, dadurch lächerlich wird, aber als Trash-Film alá Sharknado einigermaßen gut funktioniert.

Kommentare:

  1. Alles in allem sehe ich das ja ganz ähnlich wie du. Finde das mit dem Trash jedoch schwierig. Ich finde der Fokus lag da zu sehr auf den Beziehungen, die mittelmäßig gut geklappt haben, so dass es gar nicht zu richtigem Trash kommen konnte. Die Zombies kamen in dem Film leider viel zu kurz (zumindest in Action) und dafür gab es viele langatmige Dialoge, die die Luft immer raus genommen haben.

    Trotzdem hatte ich Spaß mit dem Film und bin vor allen Dingen von Smiths überzogener Rolle sehr angetan gewesen :)

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    1. Herzlich Willkommen und vielen Dank für deinen Kommentar, El Nerderino!

      Stimmt, die Beziehung war sehr im Fokus, aber das ergibt sich ja schon aus der Buchvorlage. Bei Stolz und Vorurteil geht es ja eigentlich ausschließlich um die Beziehung - da wollte man sich wohl wieder an die Vorlage trauen. Vielleicht kamen deswegen auch diese langatmigen Dialoge zustande, die immer wieder versuchten Zitate auszugreifen, diese jedoch eher verschandelten.

      Die Zombies kamen aber wirklich zu kurz! Hätte da auch gerne noch mehr gesehen!

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  2. Dass der Film vollkommen übertrieben wird, das habe ich irgendwie fast schon geahnt. :D Ich habe "Stolz und Vorteil" gelesen und gesehen und fand beides okay. Aber mit Zombies! ZOMBIES! Bäm. Zombies werten doch so manche Sache einfach auf. Ich werde mir den Film auch definitiv noch ansehen und freue mich schon auf vollkommen übertriebene Szenen. ^-^

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    1. Ich wünsche dir ganz viel Spaß! ^-^

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  3. Ich hatte den auch direkt im Kino gesehen als er rauskam aber fand ihn dann leider so belanglos, dass es nichtmal fuer eine Besprechung gereicht hat :D
    Das Buch hatte ich damals (2009 glaube ich) mal angefangen, aber auch nicht zu Ende gelesen, mir war es dann doch etwas zu schnulzig ;)
    Mit der Wertung zum Film kann ich dir aber weitestgehend zustimmen, der Fokus lag hier definitiv auf den falschen Dingen und so kommt am Ende nichts halbes und nichts ganzes dabei raus. Schade eigentlich, Abraham Lincoln Vampire Hunter hatte mir auch ganz gut gefallen.

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    1. Wirklich schade, dass man nicht so etwas Cooles wie bei Abraham Lincoln Vampire Hunter gemacht hat. :)

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