Samstag, 26. März 2016

Game Review: Unravel

Genre: Jump&Run
Publisher: Electronic Arts
Developer: Coldwood Interactive
USK: Freigegeben ab 6 Jahren
Release: 09. Februar 2016
Spielzeit: 6 - 7 Stunden

Schon mal etwas vergessen? Einfach den roten Faden verloren?

Wir tauchen in die Geschichte einer schwedischen Familie ein und erleben sowohl die positiven Erinnerungen, als auch die negativen Aspekte. Doch diese Erinnerungen müssen erst wieder erschlossen werden und so begleiten wir Yarny, das kleine Garnmännchen, bei dieser wichtigen Aufgabe. Wir verfolgen die ersten Schritte, die ersten Ausflüge an den Strand und in das Moor, bis zum Erwachsenwerden und den Schicksalsschlägen des Lebens. Selbst bei negativen Erinnerungen scheint über allen noch ein Funken Hoffnung zu stehen. Mit viel Detailreichtum erkundet Yarny die Welt und interagiert mit allerlei Lebewesen und Gegenständen, die ihm manchmal auch zum Verhängnis werden können. Yarny zieht seinen roten Faden durch die Fotos und erlebt dabei eine Geschichte mehrerer Leben...

Momentan ist nur die digitale Version erhältlich und durch EA über den Computer auch an Origin gebunden. Vielleicht wird es noch eine Version zum Anfassen und ins Regal stellen geben. Am liebsten mit einer Special Edition, da in diesem Spiel eine Menge Potenzial steckt. Eventuell eine Figur von Yarny oder ein Fotoalbum als Artbook?

Glück erwächst aus den kleinen Dingen

Langsam werden wir in das Spiel geführt. Eine Botschaft mit weißen Buchstaben auf schwarzem Grund erscheint, in der wir willkommen geheißen werden von den Entwicklern. Worte, die nicht nur willkommen heißen, sondern auch berühren und sofort ein Gefühl von Liebe zu dem Spiel vermitteln. Eine Sequenz beginnt und wir können eine ältere Dame beobachten, die mit ihrem Wollkörbchen von einem Tisch aufsteht und eine Treppe hinaufsteigen möchte. Kurz verharrt sie und rückt ein Bild zurecht. Schon steigen wir in das Spiel ein uns steuern das kleine Garnmännchen Yarny, welches die Frau auf den Tisch hat liegen lassen. Alles ist gemütlich eingerichtet und eine frische Tasse Tee neben einem Fotoalbum beschert ein heimeliges Gefühl. Ein Kissen ist auf der Sitzbank zu sehen mit den Worten "Lycka Blommar ur Sm°a enela ting", welches so viel bedeutet wie "Glück erwächst aus den kleinen Dingen". Als wir jedoch in das Fotoalbum schauen, erblicken wir nur verblichene Seiten. Weiter geht es durch das Haus, bis zum ersten Bilderrahmen in den Yarny eintaucht und somit startet das erste Level. Durch die Haustür geht es in den Garten und wir lösen die ersten Rätsel, lernen die Grundzüge des Spiels, während wir die Details des Garten bewundern. In einem Laubhaufen finden wir schließlich einen Aufnäher, der sogleich an das Fotoalbum kommt. Alte Erinnerungen werden wieder aufgefrischt und Yarny kann die ersten Bilder betrachten…

Von Blume zu Blume

Die natürlichen Elemente eines Jump n Runs sind gegeben, obwohl durchaus eine Geschichte eines Adventures gleich geliefert wird. Rätsel mit verschiedenen Objekten sind vorhanden und man kann mit vielen Dingen interagieren. Doch trotzdem muss man aufpassen, denn der Faden reicht nicht immer bis zum nächsten Speicherpunkt. Mit dem roten Faden, der sich nicht nur sprichwörtlich durch die Erinnerungen zieht, kann das kleine Garnmännchen sich Trampoline bauen und es wie ein Lasso zum nächsten Knotenpunkt schwingen. Wenn der Faden nicht reicht, einfach wieder entknoten. Erstaunlich ist die Physik der Gegenstände und die Abwechslung, mit der sie genutzt wird. Eine Familie teilt die Erlebnisse mit dem Spieler. Die Kinder wachsen in einem wunderschönen Haus mit einem großen Garten auf. Es gibt Ausflüge ans Meer und ins Moor nachzuempfinden. Doch nicht alles im Leben ist schön. Gewalt, Verlust trüben die Stimmung. Durch diese Geschichte führt nach jedem weiteren Kapitel ein Eintrag im Fotoalbum mit schönen Worten und alten Fotos, die einem die Geschichte noch näher bringt.

Die Wellen können Yarny ganz schön zusetzten

Ein Wunder wie viele Emotionen man auf dem einfachen Gesichts des Garnmännchens Yarny zu erkennen sind. Dieser Hauptcharakter ist einem vom ersten Augenblick des Spiels sofort sympathisch. Genauso verhält es sich bei der Familie dessen Geschichte man verfolgt, Sofort kann man sich mit den Personen identifizieren. Anders verhält es sich mit den anderen Lebewesen. Eine kleine Beuteratte kann einem im Tunnelsystem verfolgen, eine Krähe, die einem mit den Schnabel schnappt oder eine Krabbe, die einem den Faden aufdröselt. Jedoch gibt es auch Lebewesen, die einem helfen. Trotzdem ist man aufgrund der angreifenden Tiere erst einmal skeptisch. Zwischen Wäldern und den unbarmherzigen Wellen des Meeres stecken in jedem kleinen Pixel eine ganze Menge Liebe. Sehr detailreich hat man das Gefühl tatsächlich an dem entsprechenden Ort zu sein. Dabei wurde trotzdem daran gedacht, dass das kleine Garnmännchen nicht die gleiche Perspektive hat, wie ein Mensch, welches perfekt in Szene gesetzt wurde. Lichtverhältnisse werden gut eingesetzt und weiter entfernte Dinge verwischen künstlerisch. Teilweise hat man einen fotorealistischen Eindruck, der zum Beispiel bei der Holzmaserung gut zu sehen ist.
Von langsam wiegenden Klängen, die einem beim Rätseln bei der Konzentration helfen zu plötzlich ansteigenden, fast schon hektischen Stücken, die das rasante Geschehen aufgreifen. Manchmal vielleicht etwas zu laut, aber immer passend. Die Umgebungsgeräusche unterstützen die Atmosphäre und können einen sogar richtig auf den Senkel gehen, wie das Umherschwirren der Mücken im Sumpf. Wenn man zusammenzuckt, weil etwas krachend herunterfällt.
Durch die vielen Kleinigkeiten lebt dieses Spiel auf. Überall lässt sich etwas Magisches entdecken. Im Garten kann man sogar selbst in Erinnerungen schwelgen. Nicht immer ist die Stimmung glücklich. Plötzlich ändert sich von einem Level zum anderen Level das Gefühl und man ist bedrückt. Selbst Yarny zittert und schaut sich ängstlich um.

Fazit

Ein kleines, magisches Spiel über das Leben mit all seinen emotionalen Erinnerungen und Wendungen. Mit viel Liebe zum Detail - unbedingt spielen bzw. genießen!



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