Dienstag, 8. März 2016

Game Review: Firewatch

Genre: Adventure
Publisher: Panic
Developer: Campo Santo
USK: Noch ausstehend
Release: 09. Februar 2016
Spielzeit: 5 - 6 Stunden

Das Leben hat sich anders entwickelt als gedacht?
Man muss sich mit den Sorgen des Alltags und der Krankheit der Frau, die man liebt rumschlagen?
Man braucht einfach mal eine Auszeit davon?
Warum sollte man dann nicht einfach einen Sommerjob, als Ranger annehmen? In dem Adventure Firewatch übernehmen wir mit Henry den Job eines Ranger um über den Sommer Waldbrände zu überwachen und zu melden. Gesellschaft dabei leistet uns nicht nur unser schlechtes Gewissen, sondern auch Delilah, ebenfalls Ranger, die mit uns über ein Funkgerät kommuniziert. Wir erledigen jeden Tag unsere Aufgaben und kennen schon bald unser Waldgebiet und genießen die wohltuende Stille. Plötzlich passieren komische Dinge im Wald, die die Idylle trüben… Wer steckt dahinter? Wo sind die beiden Teenager-Mädchen, die uns am Anfang so auf die Nerven gegangen sind? Wird Henry mit der Hilfe von Delilah den Geheimnissen auf den Grund gehen können?

Ein Cover, welches in Rottönen gehalten ist - ansonsten schlicht. In der Mitte befindet sich ein Aussichtsturm, der mitten in einem Wald zu stehen scheint. Vögel fliegen auf und in der Ferne ist ein Berg zu sehen. Obwohl es so einfach ist, ist es vielleicht gerade deshalb interessant. So richtig etwas unter dem Spiel vorstellen kann man sich noch nicht, aber irgendwie steigt die Neugier…
Leider gibt es bis jetzt keine Special-Edition. Momentan nur ein Steam-Download. Vielleicht folgt noch eine Special Edition… mit Tannenzapfen als Beigabe…

Henry ist der Name des Hauptcharakters und der Name seiner Frau ist Julia. Soviel bekommt man schon einmal heraus. Die Geschichte dieser beiden Personen wird einem, wie in einem alten Textadventure anvertraut. Das erste Zusammentreffen, das Kennenlernen und auch das Planen der gemeinsamen Zukunft. Doch schon sehr schnell kommt der Verdacht, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die ersten Streitigkeiten in der Beziehung, die bis zu heftigen Auseinandersetzungen anwachsen. Irgendetwas stimmt in der Beziehung der Beiden nicht und dann… wird Julia krank. Ab und zu kann der Spieler Entscheidungen treffen. Doch das Ende wird voraussichtlich immer das Selbe sein. Immer wieder werden kleine Sequenzen zwischen den Texten eingeblendet, in denen der Spieler Henry durch einen Wald steuern kann. Das Gebiet ist jedoch stark begrenz und so holt der traurige Text einen immer wieder ein. Die erste halbe Stunde ist die Einleitung und die Hintergrundgeschichte. Viel passiert erst einmal nicht…

Gemütlich im Ausguck

Als ein Ranger entdeckt man die Wälder und untersucht, klettert und erforscht alles in seiner Umgebung. Es gilt bestimmte Orte zu erreichen und Geheimnisse zu entdecken. Es sind dementsprechend eine Menge Laufwege vorhanden, die dem Spiel schon den Beinamen "Walking Simulator" eingehaldet haben. An sich stören einen diese Laufwege nicht, wenn man sich auf das Spiel einlässt und das Gebiet einfach zu entdecken versucht. Die verschiedenen Gesprächsoptionen mit Delilah am Funkgerät sind eine gelungene Abwechslung, die immer wieder während des Spielverlaufs auftauchen, fast schon ständig da sind.

Selbst in der Nacht wunderschön

Bis jetzt ist mir eine solche Geschichte noch nie untergekommen. Allein die Idee an sich mit der Aufsicht für Waldfeuer und aus so einem an sich langweiligen Job ein Adventure zu machen, ist erst einmal sehr gewagt. Natürlich ist das Spiel sehr kurz und kann einem eventuell aus diesem Grund schon nicht gerade langweilig werden. Über einige EasterEggs kann man ebenfalls stolpern. Obwohl man immer wieder mit Menschen in diesem Spiel zu tun hat, sieht man sie meist nie. Das Aussehen des Protagonisten Herny kann nur erahnt werden, wenn man an ihm herunterblickt. Vielleicht hat man auch das Glück eine der Zeichnungen, die Henry porträtieren zu finden. Selbst Delilah spricht nur über das Funkgerät zu Henry und ist nur als ein Licht am anderen Ende des Waldes auf einem Berg erkennbar. Die einzigen Personen, die man allerdings auch nur aus der Ferne betrachten darf, sind die zwei Teenager, die man zum Anfang des Spiels antrifft. Ansonsten ist eigentlich niemand zu sehen. Trotzdem ist das Gefühl der Einsamkeit nie vorhanden. Die Charaktere haben viele Fassetten, vor allem Henry, der sich Vorwürfe macht, da er nicht an der Seite seiner Frau ist. Delilah ist ebenfalls eine faszinierende Person. Auf einige wirkt sie sympathisch und auf andere wieder unsympathisch. Einige ihrer Entscheidungen lassen sich irgendwie gar nicht nachvollziehen. Julia ist außerhalb des Textes nicht zu finden und auch die Teenager glänzen nach einer Zeit durch ihre Abwesenheit, welches erst sehr angenehm, dann wiederum erschreckend wird…

So wie auch das Cover sehr schlicht gehalten wurde, ist die Grafik ebenfalls recht einfach. Dabei büsst sie allerdings nicht an Schönheit und Atmosphäre ein. Obwohl es sich hierbei um keine High End Grafik, wie in so manchen AAA-Titeln handelt, hat man trotzdem das Gefühl durch einen Wald zu laufen. Die Tageszeiten werden durch bestimmt Stilmittel, wie zum Beispiel ein sehr intensives Orange am Abend, untermalt. Außerdem ist der Sternhimmel sehr beeindruckend… so sehr, dass er es auf meinem Bildschirm als Hintergrund geschafft hat...

Eine atemberaubende Umgebung

Sehr selten ist die Musik in diesem Spiel. Nur wenn sich die Situation ändert wird ein Musikstück eingesetzt, welches gleich die Stimmung auffängt. Das Schöne daran ist, dass einem der Soundtrack an sich nicht fehlt. Man lauscht in den Wald hinein und hört seine eigenen Schritte auf dem trockenen Waldboden. Ein Soundtrack, der einem die ganze Zeit in den Ohren dröhnt, würde hier nur stören. Zum Beispiel, wenn nervige Teenager ein Lied sehr laut am See mit einem Radio abspielen…
Man muss es selbst spielen, ansonsten werden keine Worte dieser Atmosphäre gerecht. Ein Spiel welches von einem bedrückenden Text zu einer wunderschönen Waldumgebung wechselt, in der man sich frei fühlt und der Entdeckertrieb geweckt wird und dann der Wechsel zu einer immer mehr ängstlichen, paranoiden Stimmung. Jeder kann sein Tempo selbst bestimmen und so kommen sowohl die Spieler, die jeden Winkel durchsuchen, als auch die Schnelleren auf ihre Kosten.

Fazit

Ein fantastisches Spiel, welches mich sehr in seinen Bann gezogen hat durch seine beeindruckende Atmosphäre. Leider für mich ein unbefriedigendes Ende, welches aber vielleicht genauso sein musste.


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